Betroffen sind Jungen und Mädchen

Laut einer Hochrechnung des Bundeskriminalamtes beläuft sich die Dunkelziffer von körperlich, seelisch oder sexuell missbrauchten Kindern in Deutschland auf 200.000 - 320.000 jährlich. Eine Altersgrenze nach unten gibt es dabei nicht. Davon werden nur ca. 18.000 Fälle tatsächlich zur Anzeige gebracht. Es wird davon ausgegangen, dass alle 2 Minuten ein solcher Übergriff stattfindet und dass in jeder Kindergartengruppe und Schulklasse statistisch gesehen ein Opfer zu finden ist. Jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge werden laut Statistik im Laufe ihrer Kindheit/Jugend Opfer eines sexuellen oder körperlichen Übergriffes. Betroffen sind Jungen und Mädchen, Täter findet man in allen gesellschaftlichen Schichten, jeder Altersgruppe und jeden Geschlechts. Die Übergriffe finden zu 90 % in dem familiären Umkreis der Betroffenen statt, das heißt, meistens kennen sie den oder die Täter (Vater, Mutter, Onkel, Tante, Opa, Oma, Freund des Vaters etc.).

Das sind alles Zahlen, Statistiken - manch einer schüttelt ungläubig den Kopf.

Die Erfahrung zeigt, die wenigsten Opfer haben den oder die Täter angezeigt. Bei fast allen fand der Missbrauch im familiären Umfeld statt. Sexueller Kindesmissbrauch - wie er in der Amtssprache genannt wird - ist immer noch ein absolutes Tabuthema in unserer Gesellschaft. Wer will schon wahrhaben, dass es nicht der fremde Mann im Gebüsch ist - sondern dass die potenzielle Gefahr eher in den eigenen vier Wänden zu finden ist. Diese Tatsache bemächtigt die Täter noch mehr in ihrem Tun. Psychische und physische Druckmittel wirken. Es kommt nie ans Tageslicht. Die betroffenen Kinderseelen werden ihr Leben lang darunter zu leiden haben - die Täter bleiben ungestraft. Die meisten Kinder und Jugendliche haben Angst, sich als Betroffene an die zuständigen Stellen zu wenden, um die notwenige Hilfe zu erhalten. Oft liegt es daran, dass entsprechende Ängste vorhanden sind, dass den Aussagen der Opfer keine Person glaubt. Auch denken viele, dass den Tätern meistens nichts passiert, aber man als Leidtragender in der Öffentlichkeit bekannt wird und sich tagtäglich dem Täter neu stellen muss.

Die Anonymität wird von uns gewährt

Um diese Barriere zu durchbrechen, wurden vorerst in Gera, entsprechende Notbriefkästen aufgestellt werden. In diese Briefkästen können Opfer in einem Brief anonym unter Angabe eines Nickname ihre Erlebnisse einwerfen, denn vielen fällt es leichter, das Geschehene aufzuschreiben als darüber zu reden. Damit wäre das erste Schweigen gebrochen. All die Zuschriften werden selbstverständlich ganz sensibel behandelt. Mit einem Expertenteam wird versucht, die schnellste und für das Opfer beste Lösung zu finden. Der für jede Zuschrift entsprechend erstellte Lösungsansatz soll dann am Ende eines Monats durch die kostenfreie Zeitung „Allgemeiner Anzeiger“ mit Angabe des Nicknamens zugänglich gemacht werden. Die Sensibilität und Anonymität wird dadurch gewahrt, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen keine persönlichen Daten benennen müssen. Lediglich der Nickname wird den entsprechenden Hilfsorganisationen zur besseren Einordnung weitergeleitet. Im Mittelpunkt steht die Gewinnung des Vertrauens, damit die Betroffenen sich selbst öffnen können. Durch die Wahrung der Anonymität werden mehr Opfer ihr Schweigen brechen.

Was wir tun

we4kids e.V. vermittelt an anerkannte Hilfseinrichtungen in der Stadt und benennt auf Wunsch Opferanwälte. Wir bieten keine Täterberatung und kümmern uns mit diesem Projekt ausschließlich um die Opfer. Reden oder Schreiben hilft! Die Erfahrung zeigt: durch unseren offenen Umgang mit diesem sensiblen Thema wird das Schweigen zunehmend gebrochen. Die Opfer tragen nicht die Schuld - also kein Grund, es für sich zu behalten. Dieses Projekt soll vorhandene Angebote für Betroffene erweitern und den bestehenden Netzwerken zugeführt werden.

Unsere Standorte:

Galeria Kaufhof / Gera Elster-Forum, Museumsplatz 2, 07545 Gera
Globus Gera / Trebnitz, An der Beerweinschänke 2, 07554 Gera
SOS Kinderdorf / Gera - Lusan, Lusaner Straße 8, 07549 Gera

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